Die dreitägige Fortbildung für Trainerinnen und Trainer im Nachwuchsfußball wurde von der DFB-Stiftung Sepp Herberger gemeinsam mit dem Deutschen Fußball-Bund, dem Badischen Fußballverband und der Werte-Stiftung organisiert.
Neben der Reflexion der eigenen Werte und der persönlichen Trainerrolle gehörten praktische Trainingseinheiten, eine Session im Blindenfußball sowie Workshops zu Teambuilding, Konfliktmanagement, Verantwortung und Kommunikation zum Programm. „Im Rahmen der Fortbildung haben wir den Teilnehmenden gezeigt, wie wichtig Wertebildung für ein positives Miteinander innerhalb der Mannschaft und im Verein ist“, erklärte Nico Kempf, stellvertretender Geschäftsführer der DFB-Stiftung Sepp Herberger.
Dass der Sport wie kaum ein zweites Feld für diese Werte steht, betonte auch Ronny Zimmermann, 1. DFB-Vizepräsident und Präsident des Badischen Fußballverbandes: „In unserer sich immer schneller verändernden Welt wird es zunehmend wichtiger, sich auf die grundlegenden Werte zwischenmenschlichen Zusammenlebens zu besinnen. Eben jene verkörpert der Sport und Sepp Herberger in Person wie kein Zweiter.“ Mit Blick auf den Veranstaltungsort ergänzte er: „Der Sepp-Herberger-Weg in Karlsruhe-Durlach führt direkten Weges zur Sportschule Schöneck, die auf alle Zeiten mit dem ersten Weltmeistertitel Deutschlands untrennbar verbunden ist. An dieses Ereignis, an Sepp Herberger und die Werte des Sports werden wir immer erinnern.“
„Trainer haben die Möglichkeit, junge Menschen zu prägen“
Marc-Patrick Meister, Cheftrainer der DFB-U16-Nationalmannschaft, nahm gemeinsam mit Sarah Brüßler, Kanutin und Gewinnerin der Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 2024, an einer Podiumsdiskussion teil. Meister hob insbesondere die Vorbildfunktion von Trainerinnen und Trainern hervor: „Ihr habt eine wichtige Aufgabe und Verantwortung, Werte vorzuleben. Dabei könnt ihr die Kinder und Jugendlichen in eurem Verein im Rahmen ihrer Persönlichkeitsentwicklung prägen.“ Entscheidend sei dabei eine gute Beziehung zwischen Trainer und Spieler. Werte könnten nicht verordnet werden, sondern müssten gemeinsam entwickelt und gelebt werden. „Es ergibt keinen Sinn, den Spielerinnen und Spielern Regeln aufzuzwingen. Vielmehr muss man sie bei der Wertebildung mitnehmen“, so der 46-Jährige, der seine Wurzeln im Fußballkreis Bruchsal hat. Auch er selbst lerne dabei von seinen Spielern, beispielsweise im Umgang mit Niederlagen und Enttäuschungen.
Brüßler betonte die Orientierungsfunktion von Werten: „Es ist sehr wichtig, die eigenen Werte zu kennen und auch klar zu benennen. Ich muss wissen, ob ich noch auf meinem Weg bin oder ihn vielleicht verlassen habe.“ Freude und Leidenschaft seien für sie Grundvoraussetzungen für sportliche Spitzenleistungen. Gleichzeitig habe sie selbst erlebt, wie anspruchsvoll das Verhältnis von Konkurrenz und Zusammenhalt sein könne: „In unserer Trainingsgruppe waren wir Freundinnen, aber auch Konkurrentinnen zugleich. Dieser Spagat war sehr herausfordernd.“ Empathie und Respekt vor den Leistungen anderer seien deshalb besonders wichtige Werte für sie.
Werte im Trainingsalltag erlebbar machen
Von der Sepp-Herberger-Akademie sollen letztlich vor allem die jungen Fußballerinnen und Fußballer in den Vereinen profitieren. „Wir als Werte-Stiftung möchten junge Menschen für Werte begeistern, für ihre eigenen und für die, die uns als Gesellschaft verbinden“, sagte Dr. Anna-Lisa Schwarz, Geschäftsführerin der Werte-Stiftung. „Gerade Jugendtrainerinnen und -trainer sind dabei starke Vorbilder und können im Fußball Werte besonders authentisch weitergeben. Deshalb freuen wir uns, gemeinsam mit unseren Partnern mit der Sepp-Herberger-Akademie eine besondere Fortbildung zu ermöglichen.“
Wie praxisnah die gewonnenen Erkenntnisse für den Trainingsalltag sind, unterstrich Kerstin Bohn, Teilnehmerin und Trainerin einer Mädchenmannschaft beim SSV Waghäusel: „Ich habe sehr viel aus dem Lehrgang mitgenommen. Ich habe nun eine klare Vorstellung, wie wir uns mit Werten im Fußballtraining konkret auseinandersetzen können.“
Die zentrale Botschaft der drei Tage: Trainerinnen und Trainer vermitteln weit mehr als Technik, Taktik und sportliche Fähigkeiten. Als Vorbilder und Bezugspersonen können sie entscheidend dazu beitragen, dass junge Menschen Werte kennenlernen, gemeinsam entwickeln und im Fußball wie auch darüber hinaus leben.