Fotos: Elisa Grehl / Stiftung Polytechnische Gesellschaft (SPTG)
Interview von Elisabeth Brachmann und Axel Braun
Ein Schiffsposter an der Klassenwand, ein Ausflug zur Jugendfeuerwehr, der Besuch einer Spitzensportlerin: Mit dem Programm „Unsere Klasse. Unsere Werte!“ fördern die Stiftung Polytechnische Gesellschaft und die Werte-Stiftung Wertevermittlung in fünften Klassen in Frankfurt. In einer besonders prägenden Lebensphase erarbeiten sich die Kinder eigene Klassenwerte wie Respekt, Verantwortung und Solidarität – begleitet von geschulten Werte-Coaches, bei Ausflügen zu außerschulischen „Werte-Welten“ und im Austausch mit prominenten Vorbildern.
Wie genau das funktioniert, erzählen im Gespräch fünf Menschen, die das Programm aus unterschiedlichen Perspektiven kennen: Anna-Lisa Schwarz, Geschäftsführerin der Werte-Stiftung, und Jana-Maria Keine, Bereichsleiterin Bildung für Demokratie und zivilgesellschaftliches Engagement der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, blicken auf das Projekt aus Sicht der beiden Trägerstiftungen. Tobias Pfaff ist Klassenlehrer einer fünften Klasse an der IGS 15, Andreas Becker begleitet als Werte-Coach die Kinder durch das Programm, und Weitspringerin Maryse Luzolo ist Werte-Vorbild im Projekt und Olympiateilnehmerin von Tokio 2020.

Fotos: Elisa Grehl / Stiftung Polytechnische Gesellschaft (SPTG)
SPTG: Lassen Sie uns mit einer Frage in die Runde beginnen: Welche Werte sind Ihnen im Alltag persönlich besonders wichtig?
Anna-Lisa Schwarz (Werte-Stiftung): Mir sind Respekt und Vertrauen sehr wichtig, dazu zähle ich auch Toleranz und den Umgang mit Menschen in all ihrer Verschiedenheit. Vertrauen ist für mich sowohl im Team und in der Arbeit als auch im Leben allgemein von zentraler Bedeutung. Ohne diese Grundlage wird das Miteinander schwierig.
Tobias Pfaff (Lehrkraft): Ich finde auch den Wert Respekt besonders umfassend. Über ihn kann man sich mit vielen Menschen verständigen, jeder verbindet etwas damit. In meiner Arbeit als Lehrkraft spielt er eine besondere Rolle: Mir ist wichtig, die Personen, mit denen ich arbeite und die alle ganz unterschiedlich sind, zu respektieren – ganz unabhängig von ihrer schulischen Leistung.
Andreas Becker (Werte-Coach): Nach meiner Schulzeit war ich ein Jahr als Trainer in einem Sportsozialprojekt in Argentinien tätig. Dort haben wir neben dem Training gezielt Wertevermittlung betrieben: Nach jeder Einheit haben wir reflektiert, wie wir uns auf dem Platz verhalten haben und welche Konsequenzen das für unser Leben abseits des Spielfelds hat. Damals standen vor allem Respekt, Teamgeist und Verantwortungsbewusstsein im Mittelpunkt. Das sind bis heute zentrale Werte für mich.
Jana-Maria Keine (Bereichsleiterin Bildung für Demokratie und zivilgesellschaftliches Engagement): Für mich gehören Verantwortung und Mut untrennbar zusammen. Verantwortung heißt, für andere, für die Gesellschaft und für die Welt einzustehen. Ohne Mut bleibt Verantwortung oft ohne Konsequenzen. Erst der Mut, Dinge anzusprechen, Risiken einzugehen und Neues zu wagen, macht verantwortungsvolles Handeln möglich.
Maryse Luzolo (Werte-Vorbild): In unterschiedlichen Phasen meiner sportlichen Laufbahn habe ich gespürt, dass mir verschiedene Werte wichtig sind. Leichtathletik ist keine klassische Mannschaftssportart. Am Ende stehe ich allein am Anlauf und muss den nötigen Schwung finden, um über sieben Meter zu springen. Dort muss ich meine eigene Entscheidung treffen und selbst Verantwortung für mein Handeln übernehmen. Aber ich habe dennoch ein Team um mich herum: meine Familie, meinen Trainer, meine Physiotherapeuten und Ärzte – wir arbeiten alle zusammen. Als ich mich zum Beispiel 2017 schwer verletzt habe, standen vor allem Mut und Disziplin im Vordergrund, in guten Saisons eher Verantwortung, Respekt und Toleranz.
Die Werte-Stiftung widmet diesem Thema ihren gesamten Stiftungszweck. Wie ist es zu der Zusammenarbeit im Projekt „Unsere Klasse. Unsere Werte!“ gekommen?
Schwarz: Die Werte-Stiftung ist aus dem bürgerschaftlichen Engagement von zwölf Gründerinnen und Gründern entstanden, die davon überzeugt waren, dass die Werte, die man im Sport erlebt, auch gesellschaftlich relevante Grundwerte widerspiegeln. Deshalb unterstützen wir junge Athletinnen und Athleten und vernetzen sie zugleich mit anderen gesellschaftlichen Bereichen. Bei all unseren Projekten verfolgen wir das Ziel, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken und ein Bewusstsein für die Bedeutung gemeinsamer Werte zu schaffen. Das verbindet uns auch mit der Stiftung Polytechnische Gesellschaft. Der gemeinsame Gedanke hinter dem Projekt „Unsere Klasse. Unsere Werte!“ ist, in den fünften Klassen – wenn die Kinder neu in die weiterführende Schule kommen und ganz neue Dynamiken entstehen – genau dort die Klassengemeinschaft zu stärken.
Keine: Im Übergang zur fünften Klasse treffen Kinder aus unterschiedlichen Grundschulen und mit unterschiedlichen Voraussetzungen aufeinander und müssen sich als neue Gruppe erst finden. Das ist eine Erfahrung, die ihnen im Leben noch mehrfach begegnen wird und für die sie hier exemplarisch lernen, gemeinsam etwas zu erarbeiten und Aushandlungsprozesse zu erleben. Ich sehe darin eine große Chance für Empowerment: Sie machen die Erfahrung, für etwas einzustehen, das ihnen wichtig ist.

Fotos: Elisa Grehl / Stiftung Polytechnische Gesellschaft (SPTG)
Herr Pfaff, Sie haben gerade eine fünfte Klasse als Klassenlehrer übernommen. Ist das in Ihren Augen ein sinnvoller Moment, um über Zusammenhalt, Verantwortung und demokratische Werte zu sprechen?
Pfaff: Ja, aus Kinderperspektive ist der Übergang von der Grund- auf die weiterführende Schule sehr prägend. Ich erinnere mich selbst noch gut an meinen eigenen Wechsel von der vierten in die fünfte Klasse. Es kommen viele neue Fächer dazu, die Kinder lernen viele neue Lehrkräfte, Mitschülerinnen und Mitschüler kennen – das ist mit zehn, elf Jahren schon eine große Herausforderung. Für mich als Klassenlehrer ist in dieser Phase das zentrale Ziel, dass eine Klassengemeinschaft entsteht.
Herr Becker, Sie sind im Projekt „Unsere Klasse. Unsere Werte!“ ein sogenannter „Werte-Coach“. Wie kam es dazu?
Becker: Ich war zuvor bereits im Bereich „Werte im Sport“ aktiv, arbeite seit vielen Jahren als Jugendtrainer im Fußball und habe schon dort versucht, mit meiner Mannschaft gemeinsame Werte zu erarbeiten. Im vergangenen Jahr habe ich mir überlegt, dass ich Werte gerne auch außerhalb des Sports weitergeben möchte, und die Schule erschien mir dafür ein besonders passender Ort. So bin ich auf die Werte-Stiftung aufmerksam geworden.
Schwarz: Die Werte-Coaches sind für uns unverzichtbar, sowohl für die inhaltliche Qualität des Projekts als auch dafür, das Konzept lebendig werden zu lassen. Wir haben hier im Rhein-Main-Gebiet ein wirklich engagiertes Team, das auch selbst an der Weiterentwicklung der Methoden mitwirkt.
Wie schaffen Sie es, dass sich eine so junge und heterogene Gruppe am Ende auf gemeinsame Werte verständigt?
Becker: Zu Beginn des Projekts hängen wir ein Schiffsposter in der Klasse auf und nehmen die Kinder gedanklich mit auf eine Reise: Sie werden selbst zu Kapitäninnen und Kapitänen des Schiffs, durchlaufen verschiedene Stationen und begegnen dabei unterschiedlichen Werten. So zeigen wir ihnen mit vielen verschiedenen, spielerischen Methoden und kindgerechten Definitionen, wie sich diese Werte im Alltag umsetzen lassen. Am Ende steht der Prozess der Klassenwerte: Die Kinder legen ihre wichtigsten Werte in eigenen Worten fest und überlegen sich dazu konkrete Aktionen, wie sie diese im Alltag der Klassengemeinschaft umsetzen können und sich je nach Stärken und Schwächen gegenseitig unterstützen können. So wird aus abstrakten Begriffen etwas Greifbares, das für das Leben der Kinder wirklich relevant ist.
Pfaff: Die Vielfalt der Angebote führt dazu, dass für jeden Lerntyp etwas dabei ist. Das Projekt ist eine enorme Unterstützung für uns als Lehrkräfte. Ich kann Werte zwar vermitteln, bin dabei aber immer in meiner Rolle „gefangen“: Ich bin die Person, die bei Fehlverhalten sanktioniert und die Noten vergibt. Aus dieser Doppelrolle komme ich nie ganz heraus. Kommt hingegen ein Werte-Coach in die Klasse, der ausschließlich für die Wertevermittlung zuständig ist, entsteht eine ganz andere Lernsituation. Deshalb schätze ich die Zusammenarbeit mit externen Kräften sehr. Die Kinder können sich immer wieder auf die Klassenwerte beziehen, und auch ich kann als Lehrkraft immer wieder darauf zurückgreifen, sie daran erinnern oder positives Verhalten bestärken.
Ich habe Politik und Wirtschaft auf Lehramt studiert, und dort spielt der „Beutelsbacher Konsens“ eine zentrale Rolle: Kinder dürfen mit der politischen Meinung der Lehrkraft nicht überwältigt werden. Durch den Werte-Workshop habe ich erstmals darüber nachgedacht, wie sich das auf Werte übertragen lässt. Als Lehrkraft bringe ich ja bestimmte Werte mit in den Klassenraum und lebe sie vor. Das bedeutet aber nicht, dass es automatisch auch die bedeutendsten Werte der Kinder sind. Statt ihnen diese Werte dann einfach überzustülpen, muss man ihnen die Möglichkeit geben, ihren eigenen Wertekompass zu entwickeln und sie in diesem Prozess begleiten. Natürlich muss man als Lehrkraft gewisse Werte auch vorleben und bewusst initiieren, aber es ist bemerkenswert, dass bereits Zehnjährige bewusst eigene Werte entwickeln, die man dann innerhalb der Klasse positiv verstärken kann und die die Gemeinschaft bereichern.

Fotos: Elisa Grehl / Stiftung Polytechnische Gesellschaft (SPTG)
Ein zentraler Baustein des Projekts ist, dass die Kinder ein „Werte-Vorbild“ kennenlernen. Frau Luzolo, Sie haben in dieser Rolle kürzlich eine Schule besucht, die an dem Projekt teilnimmt. Wie haben Sie diesen Tag erlebt?
Luzolo: Die Kinder waren sehr neugierig. Schon beim Betreten der Schule kamen viele Kinder auf mich zu, fragten nach einem Autogramm und ob ich die Sportlerin aus dem Video sei, das sie im Unterricht gezeigt bekommen hatten. Ich wurde ein bisschen vorgewarnt, dass die Kinder aufgeregt sein würden, zumal es an diesem Tag auch sehr warm war. Für mich war es aber auch aufregend, vor so vielen Kindern zu sprechen. Man weiß vorher nicht, ob sie einem überhaupt zuhören oder einen vielleicht langweilig finden. Am Ende hatte ich aber wirklich das Gefühl, dass sie wissen wollten, was ich zu erzählen hatte. Die Fragen, die sie stellten – etwa zu meiner Verletzung oder wie weit ich springe – fand ich sehr schön, weil es oft kleine Dinge sind, die ich als Sportlerin selbst gar nicht mehr so bewusst wertschätze. Es zeigt auch mir noch einmal, was ich erreicht habe und welche Werte ich verkörpere. Ich freue mich, auf diese Weise einen Beitrag leisten zu können, und habe gleichzeitig das Gefühl, dass mir die Kinder dabei helfen, meine eigenen Werte wertzuschätzen.

Fotos: Elisa Grehl / Stiftung Polytechnische Gesellschaft (SPTG)
Pfaff: Aus meiner Klasse kann ich bestätigen, dass die Kinder von diesem Werte-Vorbild sehr beeindruckt waren.
Schwarz: Die Verbindung von Werten und Sport funktioniert da als eine Art Übersetzungshilfe. Wir gehen davon aus, dass Sport Teil der Lebenswelt vieler Kinder ist, sodass sie Parallelen leichter herstellen können. Etwa wenn jemand erzählt, was in einem Team schiefgelaufen ist oder dass der Erfolg mal ausgeblieben ist. Solche Erfahrungen lassen sich gut auf die Klassengemeinschaft übertragen, ohne dass man gleich abstrakt von „Gesellschaft“ sprechen muss.
Herr Pfaff, woran merken Sie als Lehrkraft, dass eine Klasse zusammenwächst?
Pfaff: Ich habe zwei Kinder mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung in der Klasse. Besonders schön finde ich zu beobachten, wie sich dieser Umgang verändert hat, seit wir an dem Projekt teilgenommen haben. Anfangs waren die anderen Kinder unsicher im Umgang mit ihnen. Auf Klassenfahrt habe ich dann zum Beispiel gesehen, wie Mitschülerinnen und Mitschüler einem der beiden Kinder geholfen haben, das Bett zu beziehen. Solche kleinen Momente sind es, die mich als Lehrer wirklich stolz machen.
In dem Projekt besuchen die Kinder auch sogenannte Werte-Welten. Was verbirgt sich dahinter?
Becker: Wir besuchen „Werte-Welten“, um dort zu erleben, welche Werte an diesem Ort eine Rolle spielen. Zu unseren Werte-Welten zählen etwa Krankenhäuser, der Rettungsdienst, die Tafel, Alten- und Pflegeeinrichtungen oder das Dialogmuseum. Im Vorfeld stimmen wir uns dabei immer mit den Klassenlehrkräften ab, welche Werte-Welt für die jeweilige Klasse besonders passend erscheint. Ein solcher Ausflug ist für die Klasse immer etwas Besonderes. Man geht gemeinsam raus, erlebt, welche Werte dort wichtig sind, und überlegt, wofür man sich künftig selbst einsetzen möchte.
Keine: Das ist eine besondere Stärke des Programms: Es bleibt nicht nur im Klassenzimmer, sondern öffnet gleichzeitig über die Vorbilder und außerschulischen Lernorte den Blick auf die Gesellschaft.
Prof. Dr. Frank E.P. Dievernich
Vorstandsvorsitzender Stiftung Polytechnische Gesellschaft

Fotos: Elisa Grehl / Stiftung Polytechnische Gesellschaft (SPTG)
Welche Rolle spielt die Zivilgesellschaft für den gesellschaftlichen Zusammenhalt?
Keine: Ich sehe uns als ein Puzzleteil in der Bildungslandschaft, Stiftungen können zusätzliche Perspektiven einbringen. Schule ist klassischerweise an staatlich vorgegebene Bildungsziele und Curricula gebunden. Umso wichtiger ist es, ergänzende Lernangebote außerhalb dieses Rahmens zu schaffen. Und dafür braucht es Partnerschaften und Austausch. Wir erkennen als Stiftungen einen Bedarf, probieren etwas aus und prüfen dann, ob sich ein solches Format in die Breite tragen lässt.
Schwarz: Manche Stiftungen entscheiden sich bewusst dagegen, in Schulen aktiv zu werden, weil sie der Meinung sind, dass dieses System eigentlich selbst funktionieren und alles abdecken sollte. Leider, das wissen wir, ist das nicht immer der Fall. Insofern verstehen wir uns durchaus als Impulsgeber, die schneller handeln können, mit dem Ziel, entwickelte Methoden und Formate langfristig in das Bildungssystem zu überführen, als Anstoß für strukturelle Veränderungen. Wir orientieren uns dabei auch an Ideen und Methoden, die es bereits gibt oder die Lehrkräfte selbst entwickelt haben.

Fotos: Elisa Grehl / Stiftung Polytechnische Gesellschaft (SPTG)
In der medialen Berichterstattung wird häufig thematisiert, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt unter Druck gerät – etwa durch extremistische Positionen, die durch ungeschützte Räume für Meinungsäußerungen zunehmend lauter wahrgenommen werden. Viele Stiftungen und politische Akteure fragen sich, wie sie darauf reagieren können. Wie sehen Sie das?
Schwarz: Unser Projekt ist auch deshalb entstanden, weil wir überzeugt sind, dass die Reflexion über Werte und das Bewusstsein für gemeinsame Werte als Gruppe langfristig den Blick auf die freiheitlich-demokratischen Grundwerte stärkt und damit auch die Demokratie. Dass wir das Projekt inzwischen bundesweit ausrollen, ist auch ein Ausdruck davon, dass wir hier unseren Beitrag leisten möchten.
Becker: Es ist gerade jetzt extrem wichtig, in der Schule auf dieses Thema aufmerksam zu machen. Entscheidend ist für mich dabei, dass die Schülerinnen und Schüler erleben, dass sie die Regeln der Gemeinschaft, in der sie leben, mitbestimmen können. Freiheitlich-demokratische Werte wie Respekt, Hilfsbereitschaft oder Toleranz müssen erlernt werden.
Was kann die Gesellschaft aus Ihrer Sicht vom Sport lernen, Frau Luzolo?
Luzolo: Ich glaube, der Sport hilft dabei, Werte wirklich zu leben. Ich habe mit zehn Jahren angefangen, Sport zu treiben, und ohne es bewusst zu merken, habe ich dabei mehrere Werte übernommen und im Alltag ausgelebt, auch in der Schule. Ich habe selbst in einem kleinen Verein trainiert, gemeinsam mit Menschen aus ganz unterschiedlichen Kulturen und Ländern, die einfach zusammengewürfelt wurden. Am Ende musste man miteinander auskommen und sich gegenseitig respektieren. Unsere Trainerin hat sehr darauf geachtet und uns diese Werte vermittelt. Auch wenn ich eine Individualsportart wie Weitsprung betreibe, gab es immer einen Teamgeist, gegenseitige Hilfsbereitschaft und Respekt vor der Leistung der anderen, selbst wenn diese eigentlich Konkurrentinnen waren.
Der Sport ist wirklich eine gute Brücke. Wenn ich wusste, dass ich mich im Sport anstrengen muss, um besser zu werden, habe ich das automatisch auf die Schule übertragen: Ich musste mehr lernen oder mir gegebenenfalls Hilfe holen, ähnlich wie ich mir bei einer Verletzung Unterstützung durch Physiotherapie hole. Eltern rate ich deshalb immer, ihre Kinder für den Sport zu begeistern, weil er den Charakter stärkt. Je älter ich werde, desto deutlicher merke ich, wie sehr mir das geholfen hat, mich als Person weiterzuentwickeln und für meine Prinzipien einzustehen.
Wie haben Sie das bei den Olympischen Spielen in Tokio erlebt?
Luzolo: Das ist wirklich eine ganz besondere Form von Gemeinschaft. Nur wenige Menschen schaffen es in diesen Kreis, und auch dort begegnet man den unterschiedlichsten Werten. Aber jede und jeder von uns weiß, wie viel Arbeit und Kampf dahintersteckt, dort hinzukommen, das schweißt zusammen. Am Ende gemeinsam als Team Deutschland dieses Land repräsentieren zu können, macht einen sehr stolz, das ist ein großartiges Gefühl.
Unsere Klasse. Unsere Werte! ist ein Kooperationsprogramm zur frühen schulischen Wertevermittlung der Stiftung Polytechnische Gesellschaft und der Werte-Stiftung.